Miras Geschichten

29. Juni 2008

Das verzauberte Tal

Abgelegt unter: Fantasy — admin @ 19:30

„Marie wie konntest du nur wieder mit einer Fünf nach Hause kommen? Du sagtest doch, dass du gelernt hast. Und was ist das? Du hast mal wieder geträumt bei dem Test, stimmts?“
Meine Mutter knallte das Heft auf den Tisch. Ich sah sie betroffen an.
„Nein ich habe nicht geträumt und ich habe die ganze Woche dafür gelernt!“, gab ich etwas lauter zurück.
„Das glaube ich dir nicht. Sonst wäre der Test doch besser ausgefallen.“ Sie gab mir eine Ohrfeige. Tränen schossen mir in die Augen und ich sah meine Mutter Wut durchströmend an.
„Es tut mir leid. Das wollte ich nicht.“, sagte sie leise und ich merkte, dass es ihr wirklich leidtat. Aber das änderte nichts an meiner Wut und die Trauer über das, was gerade geschehen ist. Ich rannte zur Tür hinaus, über die Wiese, welche nahe dem Wald lag.

Ich streifte durch den Wald, das tat ich immer, wenn ich mal wieder Krach mit meiner Mutter hatte. Ich fühlte mich wohl in der Natur, das Rascheln der Bäume, der Duft der Blumen und des frischen Grases, brachten meine Wut zum Schweigen. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber mich zieht die Natur in ihren Bann. Ich vergaß alles um mich herum. Nur die Natur war wichtig. Ich genoss ihre Nähe, die ich spürte. Das Leben, was sie ausstrahlte, als ob ich dazugehöre. Langsam kam ich auf die kleine Lichtung und legte mich auf die Wiese. Sie war überseht von zahllosen Blumen, ihr Duft war betörend. Ich schloss die Augen, um mich herum drehte sich alles. Ich gab mich ganz der Natur hin. Bis ich eins war mit ihr. Nach einer geraumen Zeit öffnete ich meine Augen wieder. Um mich herum hatte sich alles verändert. Ich sah den Wald mit anderen Augen. Die Blumen waren noch schöner, noch betörender. Ich sah die Schmetterlinge, die darauf saßen, das Grün der Bäume war leuchtender als zuvor, das Lied der Vögel glich einer wunderbaren Melodie, die ich nicht kannte, mir aber so vertraut vorkam. Und ich spürte den Wind und jedes einzelne Lebewesen, was in meiner Nähe war. Es war ein seltsames Gefühl, so intensiv mit der Natur verbunden zu sein. Ich setze mich auf, vom Waldrand kam ganz zaghaft ein Häschen gehoppelt. Es setzte sich zu mir und schaute mich mit seinen kleinen dunklen Augen an. Dann war es auch schon wieder verschwunden. Mir wurde wieder schwindelig. Ich legte mich hin und schloss wieder die Augen. Als ich sie das nächste Mal öffnete, sah der Wald so aus wie immer, es hatte sich nichts verändert. Die Bäume waren nicht mehr so Grün und die Blumen hatten nicht mehr den so intensiven Duft wie vorhin und auch das Lied der Vögel hörte sich anders an. Ich hatte das Gefühl nicht mehr so mit der Natur verbunden zu sein, wie es eben noch der Fall war. Hatte ich das alles nur geträumt, mir eingebildet? Ich kannte diese Tagträume. Manchmal sah ich aus dem Fenster schloss die Augen, und wenn ich sie wieder öffnete, sah der Garten auf einmal anders aus, aber so intensiv wie eben hatte ich sie noch nie gespürt. Langsam ging die Sonne unter, ich musste nach Hause. Meine Mum wartet mit Sicherheit auf mich, um mir mal wieder Hausarrest zu erteilen, weil ich einfach so abgehauen bin.

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Ich saß wie jeden Tag, seit dem ich Hausarrest hatte, auf dem Fußboden meines Zimmers und schaute aus dem Fenster. Es regnet bereits seit zwei Wochen ununterbrochen. Jeden Tag, wenn ich nach Hause kam, fing es an. Ich fand das sehr gut, denn nach draußen durfte ich nicht. Aber mein Drang raus in die Natur wurde immer stärker. Ich sah mich in meinem Zimmer um. Es war das reinste durcheinander. Meine Klamotten lagen überall verstreut. Meine Schulsachen waren lieblos in die Ecke geworfen und von meinen CD´s ganz zu schwiegen. Nach dem mir meine Mom sagte, dass ich sechs Wochen Hausarrest bekomme, war ich so sauer, dass ich mich nicht mehr darum bemühte mein Zimmer sauber zu halten. Ich schaute wieder nach draußen und legte meine Hand sanft an die Scheibe. Wenn es doch nur etwas weniger regnen würde, dann könnte ich wenigstens die Tür öffnen und ein bisschen frische Luft einatmen. Wie durch ein Wunder hörte es langsam auf und es war nur noch ein leichter Nieselregen zu sehen. Ich öffnete meine Balkontür, welches auch gleichzeitig mein einziges Fenster im Zimmer war. Langsam trat ich auf den Balkon und atmete einmal tief durch. Wie schön es sich anfühlte, die frische Luft in meinen Lungen und den Duft der Bäume einzuatmen. Es war einfach herrlich. Ich genoss dieses Gefühl, bevor ich wieder in mein Zimmer trat und mich ans Aufräumen machte. Langsam wurde es wirklich Zeit.

Es dauerte doch nicht so lange wie ich dachte und mein Zimmer war im Nu aufgeräumt. Jetzt konnte man endlich wieder erkennen, dass es ein Zimmer war. Gegenüber von meiner Balkontür konnte man wieder einen aufgeräumten Kleiderschrank erblicken. Gleich daneben war eine Kommode die auch wieder zum Vorschein kam.
Mein Bett, welches neben meiner Balkontür stand, hatte ich frisch bezogen und meine Schulsachen waren vernünftig auf meinem Schreibtisch platziert, der gegenüber vom Bett seien Platz fand. Selbst das Regal mit den CD´s hatte ich ausgewischt und wieder alles neu geordnet.
„Maie kommst du essen?“ rief meine Mom.
„Ja Mom, ich komm sofort.“, antwortete ich ihr. Ich schloss die Tür und ging runter in die Küche, wo das Abendessen auf uns wartete.

Ich setzte mich. Meine Mom und mein Dad schauten mich an. Dann sagte er:
„Du fährst zur Oma heute, hörst du?“
„Zu Oma? Wieso?“ Meine Oma war sehr streng und hasste es, wenn ich schlechte Noten schrieb und vor mich hin träumte. Sie verstand es einfach nicht. Genau so, wie meine Eltern es nicht verstanden.
„Wann soll ich losfahren?“, fragte ich eher gleichgültig.
„Mom wird dich bringen, damit du auch ja ankommst und nicht wieder im Wald spazieren gehst so wie beim letzten Mal.“

Nach dem Essen holte ich meine Jacke und Mom brachte mich zu Oma. Sie wartete schon auf uns. Als wir an dem kleinen Häuschen, welches mitten im Wald stand, ankamen, machte sie schon die Tür auf.
„Schön das ihr da seid. Kommt doch rein.“ Sie machte einen Schritt zurück und wir traten ein.
„Hallo mom“, sagte meine mom, „ich habe leider nicht viel Zeit. Wir haben heute noch einen wichtigen Termin. Aber zum Essen kommen wir dann und holen Marie wieder ab.“ Meine Oma nickte, nahm mich in den Arm und gab mir einen Kuss auf die Wange.
„Ist gut, dann sehen wir uns heute Abend“, sagte sie zu meiner Mom. Dann ging sie.
„Komm Marie lass uns ins Wohnzimmer gehen und dann erzähl mir mal, warum dich deine Eltern wieder zu mir geschickt haben. Hast du wieder eine schlechte Note geschrieben oder geträumt?“
Ich schaute sie verlegen an und setzt mich dann auf das Sofa. Kleinlaut sagte ich dann: „Beides“, meine Oma lachte.
„So so. Wie alt bist du jetzt Marie?“
„Fünfzehn, aber das weißt du doch.“
„Erzähl mir von deinen Träumen. Was siehst du oder besser gesagt, was spürst du?“
Jetzt war ich irritiert. Sonst hielt sie immer einen Vortrag, dass ich nicht träumen sollte und dass alles Blödsinn ist, was ich dabei fühlte und nun wollte sie es genau wissen?
„Warum möchtest du das wissen? Es hat dich doch sonst auch nicht interessiert.“
„Du warst noch nicht so weit aber langsam. Du bist fünfzehn und es passieren Dinge, die du nicht verstehst. Habe ich recht?“ Sie schwieg für einen Moment.
„Es ist dein Schicksal was sich langsam erfüllt.“
„Mein Schicksal?“
„Ja, alle einhundert Jahre wird in unserer Generation ein Mensch geboren, der über besondere Fähigkeiten verfügt und in dieser Generation bist du es Marie.“
Jetzt war ich geschockt. Was sollte das alles. Wieso erzählte sie mir das.
„Ich mach uns einen Tee und dann erzähl ich dir eine Geschichte Marie.“

Wir gingen in die Küche. Oma machte uns einen Tee und ich holte die Kekse aus dem Schrank. Wir stellten alles auf ein Tablett und gingen dann wieder ins Wohnzimmer. Oma schenkte uns Tee ein und ich nahm mir einen Keks. Dann fing sie an zu erzählen.

„Vor vielen vielen Jahren, als die Menschen noch an Zauberei und Elfen glaubten, kam es vor, dass sich die Elfen und Menschen zusammengetan haben.“
„Sie haben geheiratet?“, unterbrach ich sie.
Sie nickte mir zu. Dann sprach sie weiter.
„Die Elfen des Tages war ein gutes Volk. Sie lieben das Leben und achten jedes Einzelne. Ob Elfen, Menschen, Tiere oder Pflanzen. Der König dieses Volkes hat die Herrschaft über das Leben, über das was du in der Natur siehst und spürst.
Aber nicht alle Elfen waren den Menschen wohl gesonnen. Die Elfen der Nacht wollten unter sich bleiben und verachteten das Volk des Tages dafür, dass es sich nicht nur mit ihres Gleichen zusammentat sondern auch mit Menschen. Denn der König der Nachtelfen wollte die Herrschaft auch über den Tag.
Dann eines Tages brach Krieg aus zwischen den beiden Elfenvölkern. Der König der Nacht hatte auf heimtückische Weise den König des Tages ermorden lassen und wollte so die Herrschaft über beide Königreiche erlangen. Was er aber nicht bedacht hat, er hätte auch die Königin ermorden sollen. Sie war schwanger und das Kind, das sie erwartet, sollte sehr mächtig sein.“
„Sie konnte also fliehen?“
„Ja sie ist gleich danach mit einem kleinen Gefolge geflohen.“
„Und wohin?“
„Lass mich doch einfach weiter erzählen Schatz.“ Sie schaute mich an, nahm ein Schluck von dem Tee und sprach dann weiter.
„Nach dem der König der Nacht dieses Erfahren hatte, setzte er alles daran, die Frau zu finden.
Während seine Soldaten nach der Königin des Tages suchten, übernahm er die Herrschaft und jeder der sich ihm in den Weg stellte, wurde umgebracht. Es dauerte nicht lange und das Volk des Tages ergab sich. Nur eine keine Gruppe von Elfen leistete Widerstand. Aber da die meisten der Elfen Angst um ihr Leben und das ihrer Familien hatten, behielt der König der Nacht die Herrschaft über das Volk des Tages.

„Was ist aus der Königin geworden? Hat man sie gefunden und ihr Kind?“
„Nein, man hat nie wieder was von ihr gehört. Man erzählt sich, dass Sie ihr Kind bekommen hat und dass sie dann untergetaucht ist. Sie soll sich unter den Menschen bewegen und ihr altes Leben aufgegeben haben, um nur für das Kind da zu sein. Aber der Widerstand hofft, dass sich irgendwann die Königin entschließt, wieder zu kämpfen, um dem Land den Frieden zu bringen. Aber bis jetzt hat sie sich noch nicht zu erkennen gegeben.“ Sie seufzte kurz auf, hob ihre Tasse an und nahm einen Schluck von dem Tee. Sie sah nicht gerade glücklich aus. Aber ich wusste nicht wieso. Es ist doch nur eine Geschichte. Dachte ich so bei mir.
„Warum hat sie das denn nicht?“
„Bitte?“ jetzt sah Oma mich verwirrt an.
„Ich meine, warum hat sie sich nicht mehr um ihr Volk gekümmert?“
„Das weiß ich nicht.“, sagte sie leise.
„Sie hat vielleicht Angst oder sie lebt gar nicht mehr. Ihr Kind hat kein Interesse an dem Volk. Man weiß es nicht.“ Sie nahm noch ein Schluck Tee und in ihren Augen war ein leichtes glitzern zu sehen. Waren das Tränen?
„Oder sie wollte nicht, dass ihr Kind davon wusste und als sie sich entschlossen hatte, etwas zu erzählen, war es zu spät und das Kind hat ihr nicht geglaubt.“
„Aber das muss doch dann magische Fähigkeiten haben. Das hätte doch auffallen müssen?“
„Vielleicht aber wenn die Mutter, diese Fähigkeit für das Kind blockiert hat? Dann konnte sie nichts merken.“ Jetzt wurde ich neugierig.
„Aber was ist, wenn dieses Kind dann auch ein Kind bekommt? Und sie dann manchmal, was Verrücktes sieht oder hört? Dann denkt doch die Mutter gleich, sie sei verrückt. Weil sie nicht will, das was man ihr Mal erklärt hat, wahr ist. Ganz einfach weil sie nicht daran glauben will.“

Sie sah mich erschrocken an. Hatte ich das gerade wirklich erzählt?
„Wie meinst du das Marie? Ich verstehe jetzt nicht?“, ihre Stimme zitterte.
Ich weiß auch nicht. Aber ich dachte…Ich hatte so das Gefühl, dass es richtig ist, so wie ich es gerade gesagt habe.“
„Oh Marie“ jetzt hatte sie wirklich Tränen in den Augen und nahm mich fest in den Arm.
„Ich wusste ja nicht, dass du…..Es tut mir so leid“, sie hielt mich immer noch fest. Dann merkte ich, dass sie aufschaute und dann drehte ich mich um. In der Tür stand der Junge, den ich schon vor unserem Haus gesehen habe. Er lächelte. Meine Oma lies mich los und tupfte sich die Augen. „Darf ich reinkommen?“, fragte er. Meine Oma lächelte, dann sagte sie: „Natürlich komm nur rein. Darf ich dir meine Enkeltochter vorstellen?! Das ist Marie. Ich habe ihr gerade….“
„Ich weiß. Ich habe die ganze Zeit am Fenster gestanden.“ Langsam ging er zu meiner Oma. Sie sah aus, als ob sie gleich zusammenbrechen würde. Er verneigte sich kurz, dann nahm er ihre Hand und küsste sie leicht. Ich sah das ganz langsam vor mir, wie in einem Film aus dem Mittelalter. Aber wir waren im 21. Jahrhundert, da macht man doch so was nicht. Dann wandte er sich mir zu.
„Es ist mir eine Ehre Dich kennen zu lerne. Marie.“ Und dann verneigte er sich auch vor mir, aber gerade als er mir einen Handkuss geben wollte zog ich sie weg. Mir war das unangenehm und außerdem kannte ich den Jungen gar nicht. Verwirrt sah ich zu meiner Oma, die mich aufmunternd ansah.

„Marie das ist Simon.“ Sagte sie. Ein lächeln lag auf seinem Gesicht. Er fühlte meine Unsicherheit.
„Marie das ist Simon.“ Sagte sie. Ein lächeln lag auf seinem Gesicht. Er fühlte meine Unsicherheit.
„Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht überfordern, aber ich bin gerade so glücklich, dass du nicht kreischend davon gelaufen bist, dass ich nicht anders konnte. Wenn es dir aber lieber ist, lassen wir das. Es ist nicht wichtig.“ Dann wandte er sich wieder meiner Oma zu. Sie zeigte ihm mit einer Geste, dass er sich setzen durfte. Ich verstand das alles immer noch nicht. Was wurde hier nur gespielt? Oder träumte ich das alles gerade?
„Komm her Marie. Ich glaube, dass ich dir noch so einiges erklären muss.“ Dabei fing sie langsam an zu lachen.
„Das glaube ich auch Oma. Ich versteh nämlich jetzt gar nichts mehr. War das alles keine Geschichte? Ist das alles wirklich geschehen?“

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