Miras Geschichten

30. Juli 2008

Der Talentwettbewerb

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Der Talentwettbewerb
Im Reich der magischen Wesen hatte die Königin einen Talentwettbewerb ausgeschrieben. Alle Wesen, die innerhalb der Zauberwälder ihres Reiches lebten, durften an dem Wettbewerb teilnehmen. Dabei konnte man zeigen, wo die Stärken lagen. Kein Wunder also, dass sich alle Wesen für den Wettbewerb eingetragen hatten. Stattfinden sollte das Ganze zu Ehren des Prinzengeburtstages.
Viele Wochen vor dem Geburtstag war das Land in purer Aufruhr. Da wurden Blüten gepflückt und zu edlen Kleidern und Kostümen geschneidert. Selbst die feinen Spinnweben wurden geerntet und gefärbt um daraus die schönsten Stoffe zu weben, die die magische Welt jemals gesehen hatte. Auch Trixi und Lulu waren an den Arbeiten beteiligt. Sie hatten sich freiwillig gemeldet, um bei der Gestaltung der Bühne und Kostüme mitzuhelfen.
Hier und da waren sie zugange, halfen, wo sie nur konnten. „Ach wenn ich doch auch etwas besonders gut könnte!“, seufzte Lana, die kleine Elfe und sahen ihren Freundinnen bei der Arbeit zu. Sie war so traurig, dass ihre Flügel bereits jede Farbe verloren hatten. Müde und schlaff hingen sie nach unten und machten ihr das Fliegen unmöglich. Lana stand auf und versuchte zu tanzen. Nicht einmal das wollte ihr mehr gelingen. Enttäuscht zog sie sich in die Blüte einer Glockenblume zurück und weinte sich in den Schlaf.
Als sie erwachte, wollte die Sonne schon fast untergehen. Noch immer niedergeschlagen machte sie sich auf den Weg, den anderen bei ihren Proben zuzuschauen. Sie beobachtete, wie die Riesen ihre Rollen für ein Theaterstück probten, die Glühwürmchen sich im Gruppenflug übten und dann sah sie, wie die Elfen einen wundervollen Tanz einstudierten. „Wenn ich das doch nur auch könnte“, dachte sie traurig und wurde vor Eifersucht schon beinahe grün im Gesicht. Wieder erhob sie sich traurig und schlenderte weiter zum Lagerfeuer, an dem bereits das Essen für die Nacht bereitet wurde.
„Aber Lana, was hast Du denn?“ Ihre Mutter kam und nahm sie liebevoll in den Arm. „Möchtest Du mir nicht sagen, was Dich so sehr bedrückt? Warum probst Du nicht für den Talentwettbewerb, so wie die anderen auch?“ „Würde ich ja“, schluchzte Lana, „aber es gibt doch nichts, das ich besser könnte als die anderen! Ich habe kein Talent, das ich auf dem Geburtstag unseres Prinzen zeigen könnte.“ Lanas Mutter lächelte und nahm ihre Kleine liebevoll in den Arm. „Denk noch einmal gut nach, mein Schatz“, sagte die Mutter zärtlich, „dann fällt Dir bestimmt etwas ein, das Du dem ganzen magischen Volk zeigen kannst.“
Da lächelte Lana und ließ sich langsam auf einen der Pilze sinken, die hier im Schatten der Bäume wuchsen. Ihre Mutter glaubte also, dass es etwas gab, das sie konnte. Sie glaubte an sie und also würde Lana auch etwas finden, das sie zeigen wollte. Sie holte noch einmal tief Luft, stand dann auf und holte sich schnell eine Kleinigkeit zum Essen. Der Abend war ausgelassen und nahm schon beinahe festliche Züge an. Schließlich krochen sie im Morgengrauen in ihre Betten und schliefen bis zur Mittagszeit.
Der Tag des Talentwettbewerbs kam näher und näher und Lana wurde immer aufgeregter. Sie half bei den letzten Vorbereitungen für das große Fest und fand trotz allem noch die Zeit, sich auf ihren eigenen Auftritt vorzubereiten. „Kind, womit wirst Du das magische Volk beglücken?“ Lanas Vater versuchte in Erfahrung zu bringen, was seine Tochter für den großen Abend geplant hatte, doch er erfuhr ebenso wenig, wie Trixi und Lanas Mama. Lana hatte sich entschieden zu schweigen, stahl sich abends heimlich aus ihrem Zimmer, um zu proben oder war tagsüber plötzlich nirgends zu finden.
Dann schließlich war der große Abend gekommen. Lana schlüpfte in ihr schönstes Kleid und flog gemeinsam mit ihren Eltern, Freunden und Verwandten zu dem großen Fest. Das war ein großes Getuschel und Summen. Alle Bewohner des magischen Reiches probten noch einmal ihren Auftritt und dann endlich ging es los.
Den Anfang machten die Riesen mit ihrem Theaterstück, gefolgt von den Feen, die einen Tanz vollführten und den Glühwürmchen, die eine hinreisende Lichtershow zeigten. Der Abend war wirklich gelungen und dann kamen die Zauberer, die ihr großes Können unter Beweis stellten. Schließlich folgten die Trolle, die Löwenmäulchen gezähmt hatten und eine sehr beeindruckende Darstellung zeigten.
Dann fand das große Dinner statt. Lana sollte also der letzte Auftritt an diesem Abend sein. Sie atmete unruhig und bekam beinahe keinen Bissen herunter. Schließlich wurden die Tische abgeräumt und Lana auf die Bühne gerufen. Nervös zupfte sie an ihrem Röckchen, richtete die Haare und glättete ihre Flügel. Immer wieder glitt ihr Blick hinüber zu ihrer Mutter und ihrem Vater, die gemeinsam mit ihr dem großen Moment entgegen fieberten.
Dann schließlich fing das Blasorchester an zu spielen und Lana stimmte ein Geburtstagslied für den Prinzen an. Ihre Stimme war so glockenhell und engelsgleich, dass sich die Teilnehmer des Festes an den Händen nahmen und vor Begeisterung schwiegen. Nicht einmal das Atmen war zu vernehmen. Man hatte wohl Angst davor, Lanas Konzentration zu stören und damit ihren Auftritt zu ruinieren.
Dann hatte Lana das Lied beendet und verneigte sich voller Demut vor ihrem Prinzen. Da erhoben sich die Festteilnehmer und klatschten Lana den Beifall, den sie sich mit ihrem Lied und ihrer wundervollen Stimme verdient hatte. Endlich hatte Lana begriffen, dass man alles schaffen konnte, wenn man nur an sich glaubte. Schließlich wurde sie zur Siegerin des Abends gekürt und hatte die Ehre, den Eröffnungstanz mit dem Prinzen zu tanzen. Kaum hatte sie der Prinz jedoch zu ihrem Platz zurück gebracht, schloss sie die Augen und schlief seelenruhig ein. So erschöpft war sie, dass sie den Rest des Abends überhaupt nicht mehr mitbekam und schließlich von ihrem Papa nach Hause getragen werden musste.

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